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Von der Liebe, dem Tod und dem Teufel in der Alten Fabrik PDF 980 KB
Ein aussergewöhnliches Hörerlebnis PDF 2.7 MB
Auch Erwachsene glauben an Märchen PDF 2.8 MB

Märli-Nachmittag in Lachen

 

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«Es war einmal vor langer, langer Zeit...»
Die Märchen von früher sind mehr als nur Unterhaltung – sie sind Lebensweisheiten

Was heute Bart Simpson, Biene Maja oder Cinderella sind, waren einst Schneewittchen, die sieben Zwerge oder Rumpelstilzchen. Braucht es heute noch Märchen?

Von Gabi Heussi

Märchen können Inseln sein. Inseln für Kinder, in denen sie eine kleine, eigene Welt erleben. In der es das Böse gibt, aber glücklicherweise immer das Gute gewinnt.
Viele Menschen haben ihre eigenen, prägenden Erfahrungen mit Märchen gemacht und können sich noch gut an ihr Lieblingsmärchen erinnern. Vielleicht war es das Schneewittchen, die drei kleinen Schweinchen oder Rumpelstilzchen?
Märchen sind aber nicht nur einfach alte Geschichten, die zur Unterhaltung dienen. Sie haben immer auch einen tieferen Sinn. Die Kinder lernen dabei unbemerkt Bedeutungen, Verhaltensmuster oder die Tatsache, dass es nicht nur sonnige Seiten im Leben gibt. Sie vermitteln Lebensweisheiten, zeigen Begebenheiten des menschlichen Wesens und zeigen Wege auf, wie man im Leben weiter kommt.
Karin Paradowski, Märchenerzählerin aus Glarus: «Im Märchen geht es um Urbilder und das Wissen, das die Menschen verbindet.»
Ausgangslage in einem Märchen ist laut Karin Paradowski immer ein Mangel – eine problematische Situation. Der Held oder die Heldin muss daraufhin auf Wanderschaft und nach einer Lösung suchen. Und da es im Märchen immer ein gutes Ende gibt, wird auch eine Lösung gefunden. Die Kinder erfahren auf diese Weise, dass es sich nach Lösungen umsehen soll, dass es fast immer auch eine Lösung zu einem Problem gibt.

Unbewusst lernen
Kinder sind nicht fähig, abstrakte Situationen zu verarbeiten.  Märchen können es auf Polaritäten hinweisen und so kann es ohne «Theorieunterricht» lernen um was es geht. Die Schwierigkeiten des Lebens werden somit in die Märchensprache übersetzt und das Kind wird auf das Leben vorbereitet ohne dass dabei die Angst vor dem Leben geschürt wird.
«Wenn auch oft der Wolf der Böse ist, so gibt es aber auch Märchen, in denen er als Helfer auftritt. Darin lernen die Kinder wiederum, dass es sich lohnt, wachsam durchs Leben zu gehen und genau hinzuschauen», sagt Karin Paradowski.

Kein Blutvergiessen
Wenn im Märchen «Der Wolf und die sieben Geisslein» zum Schluss die Mutter dem Wolf den Bauch aufschneidet, ist niemals die Rede von einem Blutvergiessen – kein einziger Tropfen fliesst. Es tönt geradezu, als wäre da ein Reissverschluss, der sich nach Belieben auf und zu machen lässt. 
Karin Paradowski erklärt dazu, dass Kinder sehr wohl den Unterschied zwischen Realität und Märchen machen können und dass es auch hier um eine Symbolsprache handelt. «Brutalitäten werden in den Märchen niemals ausgeschmückt. So verschluckt der Wolf das Rotkäppchen ja einfach – und fertig. Nichts von zerfleischen oder zerbeissen, und schon gar kein Blutvergiessen.» Und so zieht die Märchenerzählerin die Parallele zum realen Leben, dass auch hier Menschen regelrecht verschluckt werden, und spricht damit die momentane Wirtschaftskrise an.

Schnell und hektisch
Während früher das Märchenerzählen bei vielen Kindern zu einem festen Bestandteil gehörte, kennen die Kinder heute kaum mehr Märchen. Es sei denn, sie wurden von Walt Disney verfilmt. Heute sind Cinderella, Bärenbrüder oder Ice Age die Favoriten. Alles Geschichten, welche die Kinder mehrheitlich alleine vor dem Fernsehen konsumieren. Das Tempo ist rasant, für Erklärungen bleibt keine Zeit. Auf die Frage, was verloren geht, wenn Märchen nicht mehr von Personen erzählt werden, sagt Karin Paradowski: «Die Kinder kommen nicht mehr dazu sich
innere Bilder zu schaffen und sie weiterzuentwickeln. Eine Art von Seelennahrung geht verloren.»

Märchen für Erwachsene
Wer denkt, er sei längst aus dem Märchenalter heraus, täuscht sich, denn Märchen waren immer für Erwachsene gedacht. Erwachsene haben sie an andere Erwachsene weiter erzählt, weil darin alles vorkommt, was die Menschen bewegt. Und da sind nicht die süssen Rosamunde Pilcher Romane gemeint. Wenn auch diese eine Art moderne Märchen sind und nach einem ähnlichen Muster verlaufen.
«Je mehr Technologie die Welt beherrscht, umso grösser ist das Bedürfnis nach Urtümlichkeit, nach Menschlichkeit und sinnvollem Dasein», sagt Karin Paradowski, die auch Märchen für Erwachsene erzählt.
Im Juni veranstaltet Karin Paradoswki dazu ein Wochenende, an dem es um «Die schöne Wassilissa» geht.

 

 

"Mir schället i"
von Karin Paradowski mit Bildern von Heiner Wehrli
Das Bilderbuch zum Thema Fasnacht im Berzirk March (SZ) ist für Kinder ab 6 Jahren und Interessierte geeignet.

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aktualisiert: Mai 2009